Die Kunden, die den Schnee oder das Eis liegen lassen, bei den mit Kunden im Einkaufsladen, die nicht die heruntergefallene Packung aufheben, dass niemand anders draufstehen kann oder drüber fällt, Mitmenschen die nicht grüssen können oder lieber wegschauen wenn sie einem im Einkaufsladen erkennen (könnte ja sein dass man Hallo sagen muss), während dem stockenden Kollonenverkehr so nah aufzuschliessen dass auf der Kreuzung nicht gekreuzt werden kann weil man 1 minute schneller ist, das Auto an der Nebenstrasse seit 5 min wartet um einbiegen zu können...etliche Beispiele könnte man hier aufzählen.
Ich wurde von meinen Grosseltern auf Rücksichtnahme erzogen, und heute weiss ich umsomehr wie Dankbar ich ihnen bin und sie jeden Tag vermisse; sie nicht mehr fragen zu können.
Manchmal ist es notwendig, vom Thema abzuweichen. Heute ist so ein Tag.

Neulich beim Tierarzt. Ich betrete das Wartezimmer, mein Hund hat starke
Schmerzen. Nicht umsonst bin ich in der Praxis. Ich halte einen
Maulkorb in der Hand. Eine andere Hundehalterin sitzt bereits im
Warteraum und lässt ihren Hund zu uns laufen. Ich stelle mich zwischen
die Hunde, um den fremden Hund von meinem kranken Vierbeiner
fernzuhalten. Schließlich halte ich nicht umsonst den Maulkorb in der
Hand. Der fremde Hund, beginnt sogar, sich zwischen meinen Beinen
durchzudrängeln. Verzweifelt versuche ich, das zu verhindern. Die andere
Tierhalterin interessiert das nicht. Sie möchte, dass ihr Hund „hallo“
sagt – egal, um welchen Preis. Es interessiert sie nicht, dass mein Hund
vielleicht aggressiv sein könnte, es ist ihr egal, ob mein Hund eine
ansteckende Krankheit hat oder was ich davon halte, dass ich nun meinen
Hund abschirmen muss. Wichtig ist nur, dass sie ihr Ziel erreicht.
Wichtig ist, möglichst ignorant zu sein.
Neulich beim Spaziergang. Ich bin mit einer Freundin und deren (durch
mehrere Angriffe nun) unverträglicher, großer Hündin unterwegs. Eine
Frau mit ihrem Terrier kommt auf uns zu. Wir leinen die Hunde an. Sie
macht nichts dergleichen. Wir gehen noch weiter rechts am Wegesrand. Der
Hund läuft auf uns zu. Die Besitzerin beobachtet die Situation,
unternimmt aber nichts. Wir stellen uns vor die Hunde, um den Terrier
davon abzuhalten, in sein eigenes Verderben zu laufen. Die Hundehalterin
schüttelt mit dem Kopf, verdreht die Augen, ruft ihren Hund aber nicht
ran, leint ihn nicht an. Es interessiert sie nicht, dass ihr Hund
vielleicht gebissen wird. Es ist ihr auch egal, dass wir Probleme damit
haben, die Hunde voneinander fernzuhalten. Wichtig ist nur, dass sie das
macht, worauf sie Lust hat. Wichtig ist, möglichst ignorant zu sein.
Neulich im Park. Zwei Halter großer Hunde treffen auf einem Weg
aufeinander. Auf eben jenem Weg läuft auch gerade eine Familie mit zwei
kleinen Kindern entlang. Die Hunde erblicken einander, fixieren sich und
laufen steifbeinig mit aufgestelltem Rückenfell langsam aufeinander zu.
Die Besitzer beobachten die Situation, einer ruft seinen Hund ran und
leint ihn an, der andere beschließt jedoch, nichts zu unternehmen.
Plötzlich läuft der Hund los, stürzt sich auf den angeleinten
Artgenossen und rennt dabei eines der kleinen Kinder um. Der Besitzer
des Hundes befindet sich ungefähr 50 m entfernt von seinem Vierbeiner,
ignoriert die Situation, die verzweifelten Eltern und seinen keifenden
Rüden bis er im gemächlichen Tempo heranschlendert und endlich seinen
Vierbeiner anleint. Es interessiert ihn nicht, dass das kleine Mädchen
umgerannt wurde und nun weint, es stört ihn nicht, dass der andere Hund
vielleicht von seinem Tier gebissen wird. Wichtig ist nur, dass er sich
nicht bemühen muss. Wichtig ist, möglichst ignorant zu sein.
Ich könnte eine endlose Anzahl dieser und ähnlicher Geschichten
aufschreiben. Nicht nur Geschichten, in denen es um Hundehalter und
deren rücksichtsloses Verhalten geht. Nein, auch Geschichten über
Radfahrer, die ohne Licht im Dunkeln herumfahren und andere Menschen in
Gefahr bringen. Geschichten über Autofahrer, die rücksichtslos
reservierte Parkplätze belegen oder meinen, an einem Kindergarten mit 70
km/h vorbeirasen zu müssen. Geschichten von Eltern, die ihre Kinder in
einem Restaurant laut schreiend Fangen spielen lassen. Geschichten über
Ignoranz. Geschichten über einen Mangel an gegenseitiger Rücksichtnahme.
Geschichten, in denen das eigene Wohl derart in den Vordergrund
gestellt wird, dass stets eine Benachteiligung anderer in Kauf genommen
wird. Sogar wohlwollend in Kauf genommen wird. Es ist nicht so als würde
nicht bemerkt werden, dass die Mitmenschen aufgrund des eigenen
Verhaltens Nachteile erleiden, nein, es ist willentliche Ignoranz, die
vermehrt zu Tage tritt. Man sieht, dass ein anderer Tierhalter seinen
Hund anleint und weiß ganz genau, dass das bedeutet, dass dieser eben –
aus welchen Gründen auch immer – keinen Kontakt zum Fremdhund möchte.
Man bemerkt es, sieht es, weiß es. Aber man ignoriert den Wunsch des
anderen. Willentlich. Absichtlich. Zum Trotz?
Was ist geschehen? Haben wir in einem Zeitalter, indem wir täglich viele
Stunden mit völlig Fremden in Sozialen Netzwerken kommunizieren die
Netiquette der realen Welt einfach vergessen? Ist das die neue
Generation „Ist mir doch egal“? Ist es wirklich notwendig, sich
möglichst ignorant und rücksichtlos zu verhalten? Ist das ein neuer
Trend? Ignoranz bis zur Grenze des Erträglichen?
Was muss noch geschehen, damit die Ignorantesten endlich ein Einsehen
haben? Reichen strenge Hundegesetze und Leinenzwang nicht aus? Wundern
wir uns wirklich über Giftköder, wenn doch auf jedem Gehweg die
Hinterlassenschaften der Vierbeiner liegen und jeder Hund einem Jogger
nachrennen und ihn mal eben in die Wade zwicken darf?
Was ist so schwer daran, ein wenig Rücksicht zu nehmen? Ist es wirklich
so ein extremer Einschnitt in die eigenen Persönlichkeitsrechte, ein
bisschen auf die Belange anderer einzugehen? Kann man nicht einfach
seinen Hund kurz ranrufen? Das Licht einschalten? Ein bisschen langsamer
fahren? Die Kinder zur Raison rufen? Wäre das Leben nicht viel
einfacher und das Zusammenleben netter, wenn man sein Gegenüber nur für
eine Sekunde nicht ignorieren würde?
Nein, es ist nicht schwer. Nein, es ist kein großer Umstand. Ja, man
kann sich einfach mal richtig verhalten. Um mit besserer Laune durchs
Leben gehen zu können, denn rücksichtsvolles Handeln wird oft mit einem
Lächeln belohnt. Zum Wohle seiner Mitmenschen. Für die eigenen Nerven.
Und weil es sich einfach so gehört!
Nicht vergessen: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt". (I. Kant)